Tachostand prüfen: erfasst, aber für Käufer unsichtbar

Seit 2010 erfasst jede HU den Kilometerstand – abrufen kann ihn kein Käufer. Was die Servicehistorie stattdessen beweist, mit Daten aus 25.896 Prüfungen.

Geschrieben von FindServiceHistory · 26. August 2026

Servicehistorie prüfen

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Geschrieben von FindServiceHistory

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Das Wichtigste in Kürze – zur freien Verwendung mit Quellenangabe FindServiceHistory:

  • Seit 2010 ist der Kilometerstand Pflichteintrag im HU-Bericht (§ 29 StVZO) und wird an das Kraftfahrt-Bundesamt gemeldet. Eine öffentliche Abfrage für Kaufinteressenten existiert nicht.
  • Großbritannien und Frankreich veröffentlichen genau diese Daten kostenlos. Ein britischer Käufer sieht jeden bei einer Prüfung abgelesenen Kilometerstand, ein französischer seit 2021 über Histovec. Ein deutscher Käufer sieht nichts.
  • In unserer Auswertung von 25.896 britischen Prüfberichten zeigen 1,2 Prozent der Fahrzeuge – etwa jedes 86. – einen rückwärts laufenden Kilometerstand. Im Median wurden dabei rund 26.800 Kilometer getilgt.
  • Das Risiko steigt stark mit dem Alter: 0,2 Prozent bei Fahrzeugen bis fünf Jahre, 1,9 Prozent bei 11 bis 15 Jahren, 2,7 Prozent darüber.
  • Tachomanipulation ist eine Straftat (§ 22b StVG, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr); beim Verkauf kommt regelmäßig Betrug nach § 263 StGB hinzu – bis zu fünf, gewerbsmäßig bis zu zehn Jahre.
  • „Scheckheftgepflegt“ ist eine Beschaffenheitsvereinbarung. Ein Gewährleistungsausschluss schützt den Verkäufer insoweit nicht (AG München, Urteil vom 05.05.2015, Az. 191 C 8106/15).

Die Daten existieren. Sie kommen nur nicht bei Ihnen an

Alle zwei Jahre steht jedes deutsche Fahrzeug bei der Hauptuntersuchung. Seit 2010 notiert der Prüfer dabei verpflichtend den Kilometerstand – § 29 StVZO schreibt es vor, TÜV und DEKRA halten sich daran, und die Werte werden an das Kraftfahrt-Bundesamt gemeldet.

Für einen Gebrauchtwagenkäufer ist dieser Datenbestand allerdings praktisch nicht vorhanden. Es gibt keine Stelle, bei der Sie zu einem fremden Fahrzeug die Historie der abgelesenen Kilometerstände erfragen könnten. Sie sehen den Wert in Ihrem eigenen Prüfbericht – und in dem, den ein Verkäufer Ihnen freiwillig zeigt. Also genau in dem Dokument, das jemand mit Täuschungsabsicht ohnehin nicht vorlegen würde.

Das ist im europäischen Vergleich eine Besonderheit, und keine vorteilhafte. Die Zugangsmodelle unterscheiden sich dabei: in Großbritannien ist die Prüfhistorie vollständig öffentlich und ohne Mitwirkung des Verkäufers abrufbar, in Frankreich erzeugt der Halter einen Freigabelink. Beides ist mehr, als ein deutscher Käufer bekommt:

LandKilometerstand wird erfasstFür Kaufinteressenten abrufbar
Großbritannienbei jeder Prüfungja, kostenlos und öffentlich
Frankreichbei jeder Prüfungja, seit 2021 – über den Histovec-Link des Halters
Deutschlandbei jeder HU seit 2010nein

Über eine zentrale Kilometerstandsdatenbank wird in Deutschland seit Jahren diskutiert. Gebaut ist sie nicht. Bis dahin muss der Nachweis aus einer anderen Quelle kommen – und die gibt es.

Was 25.896 Prüfberichte über Tachomanipulation verraten

Weil in Großbritannien jede Ablesung öffentlich ist, lässt sich dort messen, was in Deutschland nur geschätzt werden kann. Wir haben die Prüfhistorie von 3.350 britischen Fahrzeugen ausgewertet, für die mindestens zwei dokumentierte Kilometerstände vorliegen.

Ein Kilometerzähler kann nur steigen. Liegt eine spätere Ablesung unter einer früheren, ist das ein Rückwärtssprung: Manipulation, ein geklontes Fahrzeug oder – legitim – ein getauschtes Kombiinstrument. Gezählt haben wir nur Sprünge über 1.000 Meilen, um Tippfehler auszuschließen.

Ergebnis: 39 von 3.350 Fahrzeugen, also 1,2 Prozent oder etwa jedes 86. Fahrzeug. Im Median waren rund 26.800 Kilometer verschwunden. Nach Alter aufgeschlüsselt:

FahrzeugalterUntersuchte FahrzeugeMit Rückwärtssprung
bis 5 Jahre5280,2 %
6 bis 10 Jahre1.9341,0 %
11 bis 15 Jahre7771,9 %
16 Jahre und älter1112,7 %
Balkendiagramm: Anteil der Fahrzeuge mit rückwärts laufendem Kilometerstand nach Alter — bis 5 Jahre 0,2 %, 6 bis 10 Jahre 1,0 %, 11 bis 15 Jahre 1,9 %, 16 Jahre und älter 2,7 %.
Rückwärtssprünge im Kilometerstand nach Fahrzeugalter — 3.350 britische Fahrzeuge mit mindestens zwei dokumentierten Ablesungen.

Ein Fahrzeug über 15 Jahre ist damit mehr als zehnmal so häufig betroffen wie eines unter fünf. Das ist ökonomisch plausibel: Bei einem Fahrzeug mit hoher Laufleistung bringt eine Rückstellung schlicht mehr Geld, und ältere Autos hatten mehr Halter und mehr Gelegenheiten.

Zur Einordnung – und zur Ehrlichkeit: Dies sind britische Fahrzeuge. Auf den deutschen Markt lassen sich die Werte nicht eins zu eins übertragen. Und 1,2 Prozent stehen in auffälligem Kontrast zu der in Deutschland gern zitierten Schätzung, jeder dritte Gebrauchtwagen sei manipuliert. Beides kann stimmen, weil Verschiedenes gemessen wird: Unsere Zahl ist eine harte Untergrenze und erfasst nur, was zwischen zwei dokumentierten Ablesungen sichtbar wird. Eine Manipulation vor der ersten Prüfung, eine sauber über alle Ablesungen hinweg durchgezogene Fälschung oder ein Eingriff nach der letzten Prüfung bleiben unsichtbar. Die höheren Schätzungen sind eben Schätzungen – die 1,2 Prozent sind gezählt.

Die Servicehistorie ist der Kilometernachweis, den Deutschland hat

Fehlt die öffentliche Prüfhistorie, bleibt die zweite Spur, die ein Fahrzeug hinterlässt: die Werkstatt. Jeder Eintrag einer Vertragswerkstatt im digitalen Serviceheft enthält das Datum, die durchgeführten Arbeiten und den damaligen Kilometerstand. Über mehrere Jahre entsteht daraus genau die Reihe von Messpunkten, die der HU-Bericht nicht preisgibt.

Entscheidend ist: Diese Einträge liegen zentral beim Hersteller und sind an die Fahrzeug-Identifizierungsnummer gebunden. Ein Verkäufer kann ein Papierheft nachkaufen und stempeln – an der Herstellerdatenbank kommt er nicht vorbei. Wer die FIN hat, kann die Einträge unabhängig vom Verkäufer abrufen.

In unseren deutschen Abfragen lieferten 78 von 101 Fahrzeugen einen digitalen Serviceeintrag, zusammen 1.031 Einträge aus 189 verschiedenen Werkstätten. Der Median des höchsten hinterlegten Kilometerstands lag bei rund 90.300 km. Diese Stichprobe ist ausdrücklich zu klein, um daraus eine Abdeckungsquote für den deutschen Markt abzuleiten – wir nennen sie, weil sie zeigt, wie dicht die Kilometerspur ist, die dabei entsteht.

Ein Detail, das beim Lesen hilft: Nicht jeder Eintrag ist eine Inspektion. Rund die Hälfte der von uns ausgewerteten deutschen Einträge enthält gar keine Arbeitsbeschreibung, ein weiteres knappes Fünftel dokumentiert Reparaturen, Rückrufe oder Fehlersuchen statt planmäßiger Wartung. Viele Zeilen sind nicht dasselbe wie ein gepflegtes Fahrzeug. Für den Kilometernachweis spielt das keine Rolle – jeder Werkstattbesuch liefert einen Messpunkt. Für die Frage, ob das Auto gewartet wurde, spielt es sehr wohl eine Rolle.

Die Rechtslage ist deutlich schärfer, als viele annehmen

Tachomanipulation ist kein Kavaliersdelikt

§ 22b StVG stellt das Verfälschen der Messung eines Wegstreckenzählers unter Strafe – ebenso das Anbieten von Software, die dafür bestimmt ist. Der Strafrahmen liegt bei Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Wird das Fahrzeug anschließend verkauft, tritt regelmäßig Betrug nach § 263 StGB hinzu, mit bis zu fünf Jahren und bei gewerbsmäßigem Handeln bis zu zehn Jahren. Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 27.09.2017 (Az. 4 StR 142/17) klargestellt, dass der Betrug den Tatbestand des § 22b StVG in diesen Fällen verdrängt.

„Scheckheftgepflegt“ bindet den Verkäufer

Viele Privatverkäufer gehen davon aus, der Satz „Verkauf von privat, keine Garantie, keine Gewährleistung“ decke alles ab. Er tut es nicht.

Das Amtsgericht München entschied am 05.05.2015 (Az. 191 C 8106/15) über einen VW Polo, der für 1.950 Euro von privat verkauft und im Inserat als „scheckheftgepflegt“ mit 55 kW beschrieben worden war. Tatsächlich leistete das Fahrzeug 44 kW und war nicht scheckheftgepflegt. Der Kaufvertrag enthielt einen Gewährleistungsausschluss.

Die Scheckheftpflege eines Fahrzeuges stelle eine Beschaffenheit dar, da sie ein wertbildender Faktor des Fahrzeugs sei.

Das Gericht wertete die Angabe als Beschaffenheitsvereinbarung. Auf den Gewährleistungsausschluss konnte sich der Verkäufer insoweit nicht berufen – § 444 BGB sperrt ihn bei arglistigem Verschweigen. Die Käuferin erhielt den Kaufpreis Zug um Zug gegen Rückgabe des Fahrzeugs zurück.

Praktisch heißt das für beide Seiten dasselbe: Wer „scheckheftgepflegt“ inseriert, muss es belegen können. Für Verkäufer ist ein abrufbarer digitaler Nachweis deshalb kein Marketing, sondern Absicherung. Für Käufer ist die Angabe ein durchsetzbares Versprechen – vorausgesetzt, Sie prüfen sie, solange der Rücktritt noch etwas nützt.

Praktische Reihenfolge beim Kauf

  1. FIN notieren – 17 Stellen, im Fahrzeugschein unter Feld E, an der Windschutzscheibe oder im Türholm.
  2. Digitale Servicehistorie abrufen und die Kilometerstände chronologisch nebeneinanderlegen. Jeder Rückwärtssprung und jeder unplausible Sprung nach oben gehört hinterfragt.
  3. Lücken bewerten, nicht nur zählen. Zwei Jahre ohne Eintrag bei einem Dreijährigen sind ein Hinweis; bei einem Zwölfjährigen, der längst bei der freien Werkstatt ist, sind sie normal und sagen wenig.
  4. Inseratstext sichern. Screenshot des Angebots mit der Formulierung „scheckheftgepflegt“ und der Kilometerangabe. Genau darauf kam es im Münchener Verfahren an.
  5. Alten HU-Bericht verlangen. Er beweist für sich genommen wenig, aber die Weigerung, ihn zu zeigen, ist selbst eine Information.

Methodik und Verwendung

Datengrundlage: Fahrzeugabfragen über FindServiceHistory zwischen August 2024 und August 2026. Die Prüfdaten stammen aus der britischen DVSA-MOT-Historie (25.896 Prüfungen an 3.350 Fahrzeugen, alle mit mindestens zwei Kilometerablesungen), die Serviceeinträge aus den digitalen Servicedatenbanken der Hersteller, abgerufen über die FIN. Britische Meilenangaben wurden zur Darstellung in Kilometer umgerechnet. Personenbezogene Daten, Kennzeichen oder FIN sind in keiner veröffentlichten Zahl enthalten oder daraus ableitbar.

Verwendung: Sämtliche Zahlen dieser Seite dürfen von Redaktionen, Händlern und Foren frei zitiert werden – mit Quellenangabe FindServiceHistory und Link auf diese Seite. Benötigen Sie eine Auswertung, die hier nicht steht, fragen Sie uns danach.

Servicehistorie per FIN abrufen

Geben Sie die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer ein und Sie erhalten die beim Hersteller hinterlegten Serviceeinträge mit Datum, Kilometerstand und durchgeführten Arbeiten – für 12,99 €, und nur dann, wenn tatsächlich Einträge gefunden werden.

Jetzt Servicehistorie prüfen

Häufige Fragen

Wird der Kilometerstand bei der HU erfasst?
Ja. Seit 2010 ist der Kilometerstand ein Pflichteintrag im HU-Bericht (§ 29 StVZO). TÜV, DEKRA und die übrigen Prüforganisationen dokumentieren ihn bei jeder Hauptuntersuchung. Der Wert steht allerdings nur in Ihrem eigenen Prüfbericht – eine öffentliche Abfrage für Kaufinteressenten gibt es in Deutschland nicht.
Kann ich den Kilometerstand eines Gebrauchtwagens online prüfen?
Nicht über eine staatliche Stelle. In Großbritannien ist die komplette Prüfhistorie inklusive aller Kilometerstände kostenlos und öffentlich abrufbar, in Frankreich seit 2021 über das Portal Histovec. In Deutschland existiert keine vergleichbare öffentliche Abfrage. Was Sie stattdessen abrufen können, ist die digitale Servicehistorie des Herstellers – dort ist zu jedem Werkstattbesuch der damalige Kilometerstand hinterlegt.
Ist Tachomanipulation in Deutschland strafbar?
Ja. § 22b StVG stellt das Verfälschen der Messung eines Wegstreckenzählers unter Strafe – Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Kommt beim Verkauf eine Täuschung hinzu, greift zusätzlich der Betrugstatbestand des § 263 StGB mit einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren, bei gewerbsmäßigem Handeln bis zu zehn Jahren.
Was bedeutet „scheckheftgepflegt“ rechtlich?
Nach der Rechtsprechung ist die Angabe „scheckheftgepflegt“ in einem Inserat keine unverbindliche Anpreisung, sondern eine Beschaffenheitsvereinbarung. Das Amtsgericht München hat am 05.05.2015 (Az. 191 C 8106/15) entschieden, dass ein vereinbarter Gewährleistungsausschluss für genau diese Eigenschaft nicht gilt – der Käufer konnte vom Kaufvertrag zurücktreten.
Wie oft sind Kilometerstände tatsächlich manipuliert?
Die Angaben schwanken enorm, weil unterschiedlich gemessen wird. Häufig zitiert wird die Schätzung, jeder dritte Gebrauchtwagen sei betroffen. Unsere eigene Messung an 3.350 britischen Fahrzeugen mit lückenloser Prüfhistorie ergibt 1,2 Prozent, also etwa jedes 86. Fahrzeug – aber das ist eine harte Untergrenze, weil nur Rückwärtssprünge zwischen zwei dokumentierten Ablesungen sichtbar sind.
Was hilft mir beim Gebrauchtwagenkauf konkret weiter?
Die digitale Servicehistorie über die FIN. Jeder Eintrag einer Vertragswerkstatt enthält Datum, Kilometerstand und durchgeführte Arbeiten. Eine Reihe plausibel ansteigender Werte über mehrere Jahre ist der belastbarste Nachweis, den Sie in Deutschland ohne Mithilfe des Verkäufers bekommen.